Bindungen- Die Arten und Materialien

10
Jul

Wie Bücher und Druckerzeugnisse gebunden werden ist eine wichtige Entscheidung, da sie Optik und Haptik und damit die Wahrnehmung der Wertigkeit beeinflusst. Zudem hängen die Gesamtkosten des Auftrags damit zusammen und die Wirtschaftlichkeit.

Paperback-Bindung

Zeitschriften und Prospekte

Prospekte und Zeitschriften erhalten eine Draht- oder eine Seitenheftung. Bei der Heftung durch den Rücken werden mehrere Druckbögen ineinander gelegt und kommen auf einen „Sattel“ aus Metall. Heftklammern werden von oben durch den Rücken geschossen. Es gibt aber auch Mc Cain Hefter, die einzelne Druckbögen sammeln, ineinander schieben, heften und beschneiden und diese schaffen mehr als 10.000 Exemplare. Die Maschinen können natürlich auch Beilagen in die gedruckten Werke einlegen.

Die Seitenheftung wird bei dickeren Druckwerken angewandt. Hier werden die gefalzten Druckbögen erstmal sortiert und die Klammern zur Seite geschossen. Sehr dicke Produkte werden vorne und hinten geheftet, da diese sich nicht leicht öffnen lassen und schnell zufallen. Der Layouter muss dafür sorgen, dass ein breiter innerer Rand vorhanden ist. Die Klammern werden unter dem Umschlag versteckt, der an Rillen 6mm vom Rücken entfernt angebracht wird. Die Seitenheftung kommt heutzutage wegen der Verbesserungen bei der Klebebindung fast gar nicht mehr zum Einsatz.

Klebebindung

Die meisten Taschenbücher werden mit einer Klebebindung gebunden. Der Druckbogen kommt nach dem Falzen auf ein Klebeband, die Bögen werden richtig sortiert und der Rückenfalz entfernt und 3 mm abgeschnitten. Der Rücken wird nun geglättet und der Buchblock wird an den Rücken geklebt. Die Seiten werden nun zusammengehalten und der Buchblock wird mit dem Umschlag (Cover) verbunden.

Es gibt insgesamt zwei Klebeverfahren: PVA (Plyvinylacetat) und Schmelzkleber. PVA ist sehr stark, braucht aber sehr lange zum Trocknen. Deswegen treffen Buchbinder die Entscheidung den PVA Kleber zum Binden zu verwenden und den Schmelzkleber für den Rücken zu nehmen. PUR Kleber werden in letzter Zeit immer häufiger verwendet, die stärker kleben und das Aufschlagen des Buches vereinfachen.

Mit einem Dreischneider werden die Bücher beschnitten, damit der Rand auf allen Seiten gleich glatt ist. Die Vorderkante des Buchblocks wird geöffnet und Kopf- und Fußsteg beschnitten. Die Bücher sind danach bereit, verpackt zu werden.

Eine Variante ist als eingesägte Klebebindung bekannt, bei der der Rücken des Druckbogens in der Druckerpresse oder der Falz- Bindemaschine perforiert wird. Bei diesem Vorgang wird der Rücken in der Breite eingeschlitzt. Die Bogen laufen dann durch eine Paperback-Bindemaschine, wobei bei der Klebebindung nicht der Rücken beschnitten wird, um einzelne Blätter zu erhalten. Der Kleber wird stattdessen durch die Kerben gepresst, der die Bogen stärker zusammenhält. Diese Bindung ist preislich sehr optimal und die Bücher lassen sich leichter öffnen als Bücher mit Klebebindung.

Eingeschlagene Klappen am Umschlag lassen Taschenbücher höherwertiger aussehen, der Umschlag muss dazu aber gerillt werden. Der Karton kann auch aus Kunststoff hergestellt werden, muss also nicht immer Karton sein.

Heftung

Es gibt viele Taschenbücher die geheftet sind, was jedoch teurer als Kleben ist. Diese Variante reduziert jedoch die Gefahr, dass die Seiten auseinander fallen und diese liegen auch viel flacher. Diese Heftung eignet sich insbesondere für Lehr-, Kunst- und Fotobücher. Die Maschine heftet nach dem Kollationieren Fäden durch den Rücken jedes Druckbogens, die Bögen werden durch weitere Fäden ineinander geheftet, die nun den Buchblock bilden. Der Umschlag wird danach an den Rücken geklebt und das Buch beschnitten.

Es gibt aber auch Bücher mit Seitenheftung, wobei die Fäden 6 mm vom Rücken durch den gesamten Buchblock gezogen werden. Diese Bindung wird vor allem bei Lehrbüchern angewandt. Bei der Singer-Spezialheftung wird das Buch mit einem Endlosfaden durch den Rücken geheftet. Das Fadensiegeln ist eine weitere Technik, bei der man anstatt des Heftens Kunststofffäden durch den Rücken der Druckbögen zieht, um die Seiten beim Falzen zusammenzuhalten. Der Buchblock wird nach dem Kollationieren der Bögen am Rücken verklebt, damit die Druckbögen zusammenhalten.

Spiral- Drahtkamm- und Plastikkammbindung

Dieses Verfahren wird besonders für Handbücher und kleinere Auflagen angewandt. Bei der Spiralbindung stanzt man Löcher durch den Umschlag und an allen Seiten. Eine Plastik- oder Drahtspirale sorgt dafür, dass alle Seiten zusammenhalten. Bei der Drahtkammbindung benutzt man einen doppel gelegten Draht, dieser wird durch Schlitze in die Blätter gezogen. Diese Bindung wird vor allem bei Kalendern eingesetzt, wobei die Plastikkammbindung nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Dieses sorgt für einen noch stärkeren Rücken, was für das Versenden von gedruckten Artikeln optimal ist. Besonders Firmen nutzen dieses preisgünstige Verfahren zum Verschicken interner Dokumente.

FESTE EINBÄNDE

Die Vorsatzblätter bestehen meist aus ungestrichenem Papier und diese werden vor dem Kollationieren an den ersten und letzten Druckbogen der gefalzten Bögen geklebt. Ist es sehr stark, wird das erste Blatt des ersten Druckbogens genutzt und das letzte Blatt des letzen Druckbogens statt getrennter Vorsatzblätter und diese werden an den Einband geklebt. Die Vorsatzblätter können zur Verzierung entweder in einer Farbe bedruckt werden oder mit einem Bild.

Wenn das Buch Bilder auf einem anderen Papier als der Textteil enthält, können diese als Druckbogen zu 8, 16 oder 32 eingelegt werden oder durch Einfügen oder Einschlagen hinzugefügt werden. Man legt dabei vier oder mehrere Seiten um einen Druckbogen oder fügt die Seiten in seiner Mitte ein. Das ist viel kostenintensiver als komplette Druckbogen mit Bildern, wobei das Montieren noch teurer ist. Bei diesem Verfahren wird die Tafel auf einem getrennten Blatt gedruckt und an einer Kante an ein Textblatt geklebt.

Die Bücher werden nun geheftet und abgepresst. Viele Lektüren werden immer noch geheftet, allerdings setzt sich die Klebebindung immer mehr durch. Das Buch kann einen flachen Rücken besitzen oder rundgeklopft werden. Dünne Bücher haben meist einen flachen Rücken, da sie für einen runden Rücken mehr Volumen bräuchten. Das Rundklopfen hat den Zweck, dass die Druckbögen fest sitzen und die mittleren Abschnitte nicht heraus rutschen. Jetzt folgt die Hülse – ein Streifen Kraftpapier wird auf den Rücken geklebt, um das Gelenk zum Einband stärker zu machen. Braucht man eine weitere Verstärkung klebt man einen zweiten Streifen Leinen auf, besonders bei Nachschlagewerken sehr hilfreich. Die Kapitalbänder können auf Wunsch auch aufgeklebt werden, die das Buch nicht stärker machen, aber attraktiver. Ein Lesezeichenband kann ebenfalls eingeklebt werden. Man hängt zuletzt den Buchblock ein, der in den Einband geklebt und abgepresst wird. Es kommt noch ein Schutzumschlag um das Buch, wenn dies gewünscht wird.

Buchdecken

Die Buchdecken werden separat auf einer Buchdeckenmaschine hergestellt, wenn es sich um gebundene Bücher handelt. Tuch oder Kunststoff wird um die drei Teile aus Karton anschließend gelegt und aufgeklebt. Das benutzte Gewebe verwendet immer nur eine Farbe, kann aber auch mit Fotos bedruckt werden. Die Decke kann entweder nur auf Papier gedruckt, auf Papier gedruckt und zusätzlich kaschiert werden. Der Schrenz (ein flacher Rücken) wird aus Karton hergestellt, für einen runden Rücken sollten flexiblere Kartons verwendet werden. Mit Hilfe der Folienprägung können Titel und Signet des Verlags auf den Rücken oder auf den Einband gedruckt werden. Hierzu wird ein Prägewerkzeug aus Messing hergestellt, das die Motive des Schutzumschlags wiedergibt.

Handbindung

Sehr vornehme oder kleinere Auflagen kann man von Hand binden, diese zeichnen sich vor allem durch Leder oder andere hochwertige Materialien aus. Das Problem ist aber bei dieser Bindung, das es kaum noch Buchbinder gibt, die sowas können. Es sind also sehr gute Buchbinder gefragt.

Welche Materialien zum Binden?

Bei den meisten Büchern, die man im Handel kaufen kann ist die Decke mit verstärktem Papier überzogen und es ist ein Steif- oder Feinleinenmuster als Prägung zu sehen. Teure Materialien wie kunststoffbeschichtetes Papier, Gewebe(echter Stoff), Kunstleder, rekonstituiertes oder echtes Leder wird auch verwendet. Der Stoff besteht aus Baumwolle oder Viskose und ist in verschiedenen Farben, Qualitäten, Oberflächen und Feinheiten zu bekommen. Je nach Anwendung und Markt wurde wasserdicht beschichtet, mit Latex imprägniert oder mit verschiedenen Narbungen oder Prägungen verfeinert.

Je nachdem wie groß das Buch und dick der Rücken ist werden diverse Kartons verwendet, wobei die Stärke in Punkt oder Millimeter angegeben ist. Es gibt einschichtige und kreuzweise verleimte Kartons, letzterer besteht aus mehreren Schichten. Der Nachteil an ihm ist aber, dass er sich schnell verzieht und die Qualität minderwertiger ist. Die andere Pappe ist einschichtig und meist formstabiler.